Topf sucht Deckel

Ein altes Sprichwort besagt, dass es für jeden Topf auch einen passenden Deckel gibt. Doch viele von Ihnen, werte Mittöpfinnen und Mittöpfe, mögen nach jahrelanger erfolgloser Suche gar nicht mehr so recht daran glauben. Im Internet geistern so manche Partnersuch-Portale herum. In der Regel sind diese zunächst einmal knusprig teuer. Doch was bringen sie? Finden Sie dort wirklich den passenden Deckel oder ist das nur Geldschneiderei? Wir wagen den ultimativen Selbstversuch.

Drei Kandidaten

Der Autor, obgleich fest vergeben, mutiert für diesen Test wieder zum Single. Aus der Flut der Partnersuch-Portale greifen wir uns drei Kandidaten heraus, die durch ständige Werbung in den Medien inzwischen sehr präsent sind: eDarling, ElitePartner und Parship.

Wir haben uns bewusst diese Portale ausgesucht. Sinn soll ja die Suche nach einer dauerhaften Beziehung sein und nicht nur nach einem Flirt, weil gerade mal die Hormone hüpfen.

Flugs waren die Profile angelegt und der kostenpflichtige Account war für drei Monate eingerichtet. Wir begaben uns nicht aktiv auf die Suche. Vielmehr lehnten wir uns zurück und warteten auf die Avancen des anderen Geschlechts. Und das sollte nicht lange dauern.

Aber der Reihe nach. Fangen wir von vorne an.

Die ersten Schritte

Alle drei Portale beginnen mit einer simplen Abfrage: Was ist Ihr Geschlecht, welches Geschlecht soll Ihr Partner haben und wie lautet Ihre E-Mail-Adresse. Dann geht es los.

Zunächst müssen Sie einen psychologischen Test über sich ergehen lassen. Dabei werden bestimmte Faktoren Ihres Charakters geprüft, um so aus der Datenbank anschließend das passende Gegenstück ermitteln zu können. ElitePartner und Parship schicken Ihnen nach Abschluss des Tests sogar eine Persönlichkeitsanalyse – jeweils ein auf Sie zugeschnittenes E-Book mit einem Umfang von rund 70 Seiten. Nett.

Anschließend, so wird von allen Portalen unisono geraten, sollten Sie Ihr Profil so umfassend wie möglich vervollständigen. Abgefragt wird vieles – angefangen bei Ihren kulinarischen Vorlieben über Ihren Film- und Musikgeschmack bis hin zu bestimmten persönlichen Fragen, wie etwa über Ihren Gemütszustand.

Auch ein Bild von sich selbst können und sollten Sie einstellen. Damit erkennt Ihr Gegenüber sofort, ob er sich mit Ihrem Anblick anfreunden kann.

Somit haben Sie sämtliche kritischen Punkte bereits im Vorfeld abgehakt und Ihr Partner in spe tritt nur dann auf sie zu, wenn er für sich entscheidet, dass er mit Ihren Eigenheiten umgehen kann. In diesem Sinne seien Sie ehrlich, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden.

Kommunikation ist alles

Eine weitere Gemeinsamkeit aller drei Portale ist die ausgesprochene Mitteilungsfreudigkeit. Bereits kurz nach der Anmeldung wird Ihr E-Mail-Postfach nicht mehr an Vereinsamung eingehen. Neben den üblichen Mails zur Bestätigung Ihres Accounts kommen flugs danach Hinweise zu Ihrer Partnersuche, wie Sie sich am besten verhalten oder was Sie für eine erfolgreiche Partnersuche beachten sollten. Schließlich prasseln auch noch gleich sämtliche Neuanmeldungen in regelmäßigen Abständen ins Postfach und Parship meldet gar jeden Besucher Ihres Profils. Fassungslos starrt der Autor auf die Flut der Mails, die ins Postfach gespült wird und stellt fest, dass er anscheinend ein ziemlich cooler Typ ist. Dieses Selbstbild relativiert sich jedenfalls rasch durch die Erkenntnis, dass keine der Besucherinnen mehr wissen möchte.

Allerdings lässt sich bei allen Kandidaten dieser plötzlich auftretende Mail-Tsunami in den Profileinstellungen eindämmen.

Der erste Kontakt

Das Hauptproblem, wenn Sie ein für Sie interessantes Profil gefunden haben, ist die Frage, wie Sie mit Ihrem Gegenüber in Kontakt treten können. Eine fröhliche Mail mit dem profanen Text „He Süße, ich finde dich echt scharf. Lass uns mal…“ ist mit absoluter Sicherheit ein Schuss, der nach hinten los geht. Doch wie können Sie den ersten Kontakt knüpfen, ohne sich gleich mit fliegenden Fahnen bis auf die Knochen zu blamieren?

Daran haben auch die Portal-Betreiber gedacht und sich unterschiedliche Mechanismen einfallen lassen, um den Kunden die erste Kontaktaufnahme zu erleichtern. Die Mechanismen werden weiter unten detailliert erklärt, wenn die einzelnen Kandidaten genauer unter die Lupe genommen werden.

Die Kosten

Das ist wohl die bitterste Pille. In allen drei Portalen können Sie sich zunächst kostenlos anmelden und Ihr Profil veröffentlichen. Doch damit kommen Sie in aller Regel nicht weit. Die Partnersuche ist im Internet zwar deutlich billiger als bei irgendwelchen Partnervermittlern mit zweifelhaftem Geschäftsgebaren, kostet aber immer noch eine ordentliche Stange Geld. In der Regel können Sie eine Premium-Mitgliedschaft für drei, sechs oder zwölf Monate erwerben. Je mehr Monate Sie am Stück buchen, desto günstiger ist der Monatspreis, der aber immer noch zwischen 20 und 60 Euro liegt.

Üblicherweise wird ein sechsmonatiger Premium-Account empfohlen. Wie viel Geld Sie jedoch in dieses Experiment investieren möchten, müssen Sie selbst entscheiden. Umgekehrt haben wir in diesem Heft schon Software vorgestellt, die ein ähnliches Loch in die Haushaltskasse gerissen hätte. Und solch ein Programm, so gut es auch sein mag, streichelt Ihnen abends nicht zärtlich übers Haar und wünscht Ihnen eine gute Nacht.

Die Portale im Vergleich

Eines können wir an dieser Stelle bereits vorweg nehmen: Qualitativ sind sich alle drei Kandidaten sehr ähnlich und es ist schwer, eine konkrete Empfehlung auszusprechen. Für welchen Anbieter Sie sich letztlich entscheiden, ist von Ihrem Geschmack abhängig. Die Preise der einzelnen Portale sind ungefähr gleich. Mitunter können bei einzelnen Anbietern unter bestimmten Umständen Rabatte drin sein. Genaueres lässt sich in der Tabelle am Ende dieses Artikels in Erfahrung bringen und vergleichen.

Positiv stechen Parship und eDarling hervor, indem die Anbieter parallel die Portale www.gay-parship.de bzw. www.gaydarling.de betreiben, in dem auch die homosexuelle Partnersuche explizit möglich ist.


eDarling

Nachdem Sie Ihr Profil angelegt haben, wird dieses vom Betreiber von Hand geprüft. Damit wird gleich im Vorfeld ausgeschlossen, dass Sie Inhalte hinterlegen, die gegen die guten Sitten verstoßen. Nach Abschluss der Prüfung wird dieses in die Datenbank eingestellt und andere Mitglieder können einen Blick drauf werfen. Zugleich können andere Mitglieder mit Ihnen Kontakt aufnehmen – auch wenn Sie noch keine Premium-Mitgliedschaft gebucht haben.

Wenn Sie jedoch auf Anfragen antworten möchten, wird Ihnen nichts mehr übrig bleiben, als in die Tasche zu greifen. Denn nur Premium-Mitglieder sind in der Lage, über das Portal unbegrenzt zu kommunizieren.

Die Mitglieder werden anhand Ihrer Vornamen identifiziert. Damit lässt sich eine freundliche Anrede generieren und beim ersten Kontakt zumindest eine rudimentäre persönliche Ebene herstellen.

Die erste Kontaktaufnahme ist erfreulich einfach gestaltet. Es beginnt damit, dass Sie der Person Ihrer Wahl zunächst ein Lächeln senden. Das erfolgt einfach nur per Knopfdruck. Nun müssen Sie warten, ob Ihr Wunschpartner „zurücklächelt“. Anschließend beginnt die eigentliche Kontaktaufnahme in vier Schritten. Zunächst wählen Sie aus einem Fragekatalog fünf Fragen an das Gegenüber aus. Anhand Ihrer Auswahl signalisieren Sie bereits bestimmte Präferenzen, das Gegenüber beantwortet diese und Sie erkennen dessen Vorlieben hierzu. Umgekehrt sendet auch dieser Ihnen seine Fragen. Der erste Kontakt ist geknüpft.

Im zweiten Schritt werden die gegenseitigen Vorlieben und Abneigungen verglichen. Hier können Sie sehr gut erkennen, wo sich vielleicht die ersten Reibungspunkte befinden. Anschließend suchen Sie sich drei Fragen aus, die näher auf Ihr Gegenüber eingehen. Erstmals können Sie jetzt auch eigene Fragen formulieren.

Am Ende der Kette steht dann die Freitext-Nachricht. Natürlich können Sie auch gleich die Abkürzung nehmen und die Kontaktaufnahme direkt über eine Nachricht beginnen. Da sich viele jedoch damit schwer tun, ist das beschriebene System in vier Schritten eine ungemeine Erleichterung.

eDarling ist das einzige Portal, das keine Persönlichkeitsanalysen versendet. Das bedeutet allerdings nicht, dass es keine gibt. Vielmehr wird diese in Ihrem Profil angezeigt und steht auch dem interessierten Gegenüber zur Verfügung. Anhand der Ergebnisse lassen sich Vergleiche anstellen, ob der angestrebte Partner passt.

Fazit:

eDarling hat besonders mit dem durchdachten System für die erste Kontaktaufnahme überzeugt. Das Problem, die ersten Hemmungen zu überwinden, wurde durch das geschickte Frage/Antwort-Spiel umschifft. eDarling wartet zudem mit dem geringsten Anonymisierungsgrad auf und ist das einzige Portal, in dem die Mitglieder mit dem eingetragenen Vornamen angezeigt werden. Im direkten Preisvergleich kann eDarling hingegen besonders punkten. Die Gebühren sind hier am niedrigsten.


ElitePartner

Der Name sagt es eigentlich schon: Dieses Portal eignet sich in erster Linie für die Suche nach Partnern mit einem hohen Bildungsniveau. Damit dürfte dieser Anbieter für viele Suchende nicht unbedingt der geeignete Kandidat sein.

Vom Aufbau her unterscheidet sich dieses Portal kaum von denen der Mitbewerber. Statt realer Namen werden Chiffre-Nummern, in Form von achtstelligen hexadezimalen Zahlenkolonnen vergeben. Um die interessanten Avancen leichter identifizieren zu können, hat der Anwender die Möglichkeit, frei wählbare Namen zu vergeben.

Die Profilbilder werden unkenntlich gemacht und sind erst dann zu erkennen, wenn das Gegenüber diese für Sie freigibt.

Das System für die erste Kontaktaufnahme ist hier weniger ausgeklügelt. Um Kontakt aufzunehmen, kann der Interessent wahlweise eine Nachricht oder einen Gruß senden. Bei der Nachricht handelt es sich um einen frei formulierbaren Text, der Gruß besteht aus einer kurzen vorformulierten Nachricht und einigen zusätzlichen Phrasen, die per Mausklick ausgewählt werden können. Zudem können Sie einen Freitext einfügen und auf Wunsch auch gleich Ihr Profilfoto mitsenden.

Die Persönlichkeitsanalyse erhalten Sie per E-Mail. In den Profilen wird indessen mit sogenannten Matching-Punkten gearbeitet. Dieser Zahlenwert beschreibt, inwiefern die Personen der gewählten Profile zu Ihnen passen. Je höher der Wert, desto mehr Gemeinsamkeiten haben Sie.

Fazit:

Ganz klar: Die erste Kontaktaufnahme bei ElitePartner erfordert vom Anwender ein höheres kommunikatives Geschick. Interessant ist, dass sich die Profilfotos erst nach individueller Freigabe sichten lassen. Das mag vorteilhaft sein, wenn es darum geht, erst einmal den Charakter einer Person zu ermitteln, ohne sich von Äußerlichkeiten beeindrucken zu lassen.

Damit eignet sich dieses Portal auf der anderen Seite nicht für jene, die gleich von Anfang an sehen möchten, auf wen sie sich einlassen. Reine Geschmackssache. Eine Besonderheit ist bei ElitePartner der sogenannte VIP-Account, der im Vergleich zur Premium-Variante einige Euro mehr kostet und dafür noch weitere Optionen bietet.


Parship

Im grundsätzlichen Aufbau ähnelt Parship am ehesten dem Portal ElitePartner. Auch hier werden Matching-Punkte vergeben und auch hier muss das Gegenüber auf die Freigabe der Profilbilder warten.

Ähnlich ist auch die Kennzeichnung der Profile. Den standardmäßig vergebenen wenig deskriptiven Chiffre-Nummern können Sie einen frei wählbaren Namen zuordnen, damit Sie sich nicht für jedes Profil ein unhandliches Konvolut an Zahlen und Buchstaben merken müssen. Zudem flattert Ihnen auch bei Parship nach Buchung eines Premium-Accounts eine umfangreiche Persönlichkeitsanalyse ins E-Mail-Postfach. Die Kontaktaufnahme kann in drei Stufen erfolgen. Auch hier können Sie zunächst einmal ein Lächeln senden. Dann kann eine spielerische Kontaktaufnahme erfolgen. In diesem Fall werden fünf zufällig ausgewählte Multiple-Choice-Fragen gestellt, für die Sie selbst jeweils eine Antwort durch Mausklick geben müssen. Zugleich legen Sie einen kleinen Spieleinsatz fest, den Sie erbringen müssen, wenn Ihr Gegenüber diese Fragen exakt gleich beantwortet. In der letzten Instanz bleibt Ihnen auch hier wieder nur der Freitext und Ihr untrügliches diplomatisches Gespür.

Fazit:

Mit Ausnahme des elitärenAnspruchs ähnelt Parship dem Konkurrenten ElitePartner sehr. Mit dem Parallelportal „Gay-Parship“ für homosexuelle Partnersuchende zeigt sich Parship zudem erfreulich liberal. Die Gebühren sind für die beiden Portale übrigens identisch.


Erkenntnisse

Die hier getesteten Partnerportale sind besser als ihr Ruf. Interessenten werden nicht mit dubiosen Versprechungen gelockt, sondern können zunächst mit dem kostenlosen Account beginnen. Damit lässt sich leicht feststellen, ob die Partnersuche auf diesem Wege zum Erfolg führen könnte.
Die Premium-Accounts sind zeitlich beschränkt, wobei eine längere Laufzeit geringere monatliche Raten bedingt. Bei keinem der Anbieter erfolgt eine automatische Verlängerung, so dass nach Ablauf der Zeit der Account wieder in den kostenfreien Basis-Modus zurückgeführt wird. Ein Premium-Zugang kann allerdings jederzeit wieder neu gebucht werden. Für die Partnersuche auf diesem Weg sind allerdings im günstigsten Fall Kosten in Höhe von 150 bis 180 Euro einzuplanen.

 

 
 
 
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