|
Die Marktanteile von Microsoft Windows Mobile waren zuletzt für die Redmonder sicher wenig zufriedenstellend, dafür sorgte nicht nur Apples iPhone, sondern auch Googles Android-Plattform. Mit der neuen Version soll nun aus dem Sturzflug wieder ein Höhenflug werden.
Bereits bei der ersten Präsentation Mitte Februar durch Microsoft CEO Steve Ballmer während des Mobile World Congress in Barcelona war klar, dass Microsoft den boomenden Handymarkt nicht kampflos dem Mitbewerb überlassen würde. Und wie so oft hat man in Redmond analysiert, was dem zahlenden Publikum gefällt und wie man es in das bereits vorhandene Windows-Netzwerk einbinden kann. Als Ergebnis erhalten wir jetzt das neue Windows Phone 7, das selbstverständlich über ein kapazitives „Vier Punkte Multitouch“-Display verfügt, wie es iPhone und Klone inzwischen zum Standard gemacht haben, über das man kleine Icons für die Anwendungen platzieren und die Applikationen aufrufen kann. Die Technologie dafür hatte man ja bereits mehr oder weniger seit den ersten Tablet-PCs, wo zwar noch mit Stifteingabe gearbeitet wurde, die jetzt aber auch dort auf Multitouch basiert. Als zweiten Schwerpunkt für die neue Handygeneration machte Microsoft die soziale Vernetzung aus, was ebenfalls gut in die neue Cloud-Offensive passt, die mit dem Office 10 eingeleitet wurde. Sie ermöglicht dem privaten Anwender, auch unterwegs stets über die Aktivitäten seiner Kontakte auf dem neuesten Stand zu sein, und dem Businesskunden ein jederzeitiges vernetztes Arbeiten über Windows Live. Und nicht zuletzt ist natürlich der Online-Marktplatz à la iTunes/iStore von Bedeutung, wo man neue Inhalte käuflich erwerben und herunterladen kann. In Europa war das bisher nur auf der Xbox 360 ein Thema, da das Multimedia Portal von Microsoft nur in den USA für den hauseigenen MP3-Player Zune verfügbar war. Dank Einbindung von Zune in WP7 stehen jetzt auch uns Europäern Filme, Musik und mehr zur Auswahl. Und damit bei all den Funktionen auch ein gewisses Maß an Überblick gewahrt bleibt, hat Microsoft bei der Gestaltung der Navigationsstruktur darauf geachtet, eine möglichst anwendungsfreundliche Struktur zu schaffen, deren Komponenten als quadratische Kacheln am Display erscheinen. Dazu wurden einige übergeordnete Bereiche geschaffen, die sogenannten „Hubs“ (Zentrum, Mittelpunkt), in denen die jeweiligen Einzelapplikationen als „Tiles“ abgelegt sind. Die selbsterklärenden Hauptkategorien sind nach Anwendungsthemen sortiert und unterteilen sich folgendermaßen: Die diversen Hubs
Kontakte Hub: Das ist die Kommunikationszentrale, über welche die Anwender Informationen aus Windows Live und Facebook erhalten bzw. selbst neue Nachrichten erstellen oder Bilder hochladen können. Praktischerweise ist es möglich, ein neues Posting zugleich auf Facebook und Windows Live zu veröffentlichen, außerdem kann man Freunde auch direkt anrufen oder Textnachrichten senden. Erhält man selbst neue Nachrichten, wird dies selbstverständlich ebenfalls direkt am entsprechenden Tile zur Applikation angezeigt. Bilder Hub: In der Schaltzentrale für Bilder kann man selbst aufgenommene Bilder sofort in strukturierten Ordnern ablegen und später auch mit seinem PC synchronisieren, vor allem aber wie üblich sofort an Freunde per MMS bzw. Mail senden oder auf Windows Live oder Facebook posten und kommentieren. Musik + Video Hub: Ebenfalls selbsterklärend versammeln sich hier die Multimedia-Applikationen. Dazu gehören Musikdateien auf dem Handy, die man natürlich mit dem PC synchronisieren, aber von hier aus auch gleich vom Zune Marktplatz laden oder streamen kann. Dort findet man zusätzlich Videos und Fernsehsendungen, völlig gratis ist dafür der integrierte Radio, den man ebenfalls in diesem Hub findet. Wie üblich lassen sich hier zudem individuelle Playlists zusammenstellen, man kann Podcasts abonnieren und seine Lieblingssongs Freunden empfehlen. Office Hub: Ein sehr gutes Service bietet Microsoft mit dem vorinstallierten mobilen Office-Paket. Darin enthalten sind Word, Excel, PowerPoint sowie OneNote und SharePoint, jeweils als Mobile-Version, und natürlich Outlook als Mailclient. Damit lassen sich Dokumente nicht nur anzeigen und bearbeiten, sondern sogar über die Aufnahmefunktion des Handys mit akustischen Kommentaren versehen. Für Notizen steht das sehr empfehlenswerte OneNote zur Verfügung, in dem sich alle möglichen Dateien sehr ordentlich und strukturiert ablegen lassen, und über den SharePoint wird alles auch gleich automatisch auf dem neuesten Stand gehalten. Letzteres ist für Privatkunden zwar vermutlich eher uninteressant, aber schließlich besteht für sie ja noch die Möglichkeit ihre Dokumente auf dem gratis zur Verfügung gestellten Webspace ihres Windows Live Accounts zu speichern und zu bearbeiten, was fast denselben Effekt hat. Spiele Hub: Natürlich wird auch das Spielvergnügen zwischendurch gleich mit dem eigenen Xbox Live Dienst verknüpft. Auf WP7 Handys können daher die Spieler auf ihren Account zugreifen, Ranglisten einsehen und haben auch ihre Freundesliste immer dabei. Außerdem lassen sich bestimmte Spiele auf allen Plattformen spielen, was zum Beispiel ermöglicht, ein Game auf der Xbox zu starten und anschließend auch am PC und dem Handy weiterzuspielen. Doch auch ohne Xbox stehen selbstverständlich verschiedenste Spiele auf dem Marktplatz bereit. Marktplatz Hub: Hier versammeln sich alle Anwendungen, darunter nicht nur Spiele, Musik oder Videos, sondern auch Apps für Nachrichten, Sport, Social Networking, Reisen und vieles mehr. Üblicherweise gibt es zum Produkt nicht nur eine Beschreibung, sondern auch eine kostenlose Testversion. Dieser Marketplace ist wie üblich auch über einen PC Client zugänglich, der in die Microsoft-Software Zune integriert ist, bezahlt wird mittels Kreditkarte, teilweise kann auch über die Telefonrechnung abgerechnet werden (vom Provider abhängig). Hilfsapplikationen
Neben diesen Hubs gibt es auch noch praktische Hilfsapplikationen. So soll beispielsweise die integrierte Suche über Bing mittels eigener Maps gleich die Route zu einem bestimmten Standort finden, was wir jedoch leider noch nicht testen konnten. Neben der mobilen Outlook-Version sind selbstverständlich auch ein Kalender sowie der Internet Explorer Mobile enthalten. Letzterer kann auf dem Handy bis zu sechs offene Tabs verwalten und Telefonnummern können per Klick sofort angerufen bzw. Adressen auf den Maps angezeigt werden. Ganz besonders praktisch ist auf jeden Fall die kostenlose Handysuche über das Internet mittels Windows Live. Über seinen Account kann man bei Verlust sein Handy anrufen und danach online heikle Daten löschen oder sogar eine Nachricht für den Finder auf dem Display hinterlassen, aber auch andere Aktionen lassen sich damit ausführen. Unterm Strich... ...versucht Microsoft mit Windows Phone 7 also wieder einmal alle Konsumenten zufriedenzustellen, Musik- und Multimedia-Fans ebenso wie Social Networker, aber auch die Businesskunden. Die neuen Handys kommen zum Start hauptsächlich von HTC, Samsung und LG, das Angebot wird aber schnell erweitert werden. Vertragsfrei dabei ist man ab rund 550,- Euro, natürlich gibt es jedoch auch hier wieder spezielle Pakete der Provider, sowohl für die Hardware als auch für die Dienste. Und da muss sich jeder genau vorrechnen lassen, welches Netz wie viel kostet, denn alle Funktionen von WP7 zu nutzen bedeutet, ständig online zu sein, also Datenverkehr über das Handynetz zu produzieren. Flatrates ohne Datenlimit lautet daher die Devise. |