Kaffeetratsch im Internet

Wer mit Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben will, findet im Internet genügend Möglichkeiten sein soziales Netzwerk zu pflegen. Doch es muss nicht unbedingt gleich Facebook oder Twitter sein, um mit den anderen Neuigkeiten auszutauschen. Für eine kurze Frage oder eine kleine Plauderei eignen sich Instant Messenger zumindest ebenso gut, wenn nicht besser.

Seit Beginn des Internets, als in den USA noch zu militärischen Zwecken Computer miteinander vernetzt wurden, nutzte man auch die Möglichkeit der Kommunikation. Einfache Textnachrichten zu versenden, die das Gegenüber sofort beantworten konnte, war ein nützlicher Nebeneffekt dieser Verbindungen. Als die ersten Computer in den Privathaushalten auftauchten, traf man sich online in den Chaträumen der diversen IRC-Anbieter (Internet Relay Chat). Bald hatten verschiedene Gruppen, wie beispielsweise Wissenschafter, dort ihre eigenen Online-Treffpunkte, um miteinander zu diskutieren. Die größte Verbreitung im Privatbereich fand am Anfang aber zu einem guten Teil über die Spielercommunitys statt, die bei Online-Spielen ihre Strategien über das Internet miteinander absprachen (Quakenet etc.). Als dann PCs bereits in sehr vielen Haushalten zu finden waren, kamen auch die ersten Chatprogramme für jedermann, eben die Instant Messenger (IM). Bis heute hat sich bei deren Funktion in den wesentlichen Punkten wenig verändert.

Die Gemeinsamkeiten

Man lädt den Messenger-Client herunter und installiert ihn, legt einen Account mit einem Usernamen, Passwort und einer gültigen E-Mail-adresse an (die man bei manchen Anbietern wie AOL gleich dazu erhält) und dann muss man nur noch seine Freunde hinzufügen. In seiner Freundesliste (Buddylist) sieht man auch gleich, wer gerade online, beschäftigt oder offline ist. Nachrichten kann man trotzdem senden, der Empfänger erhält sie, sobald er wieder online ist. Auch kleinere Dateien lassen sich auf diesem Weg oft gleich versenden, außerdem kann man fast immer das Aussehen (Skin) des Clients personalisieren. Darüberhinaus lassen sich im Normalfall die Kontakte in Gruppen (Freunde, Mitarbeiter, …) unterteilen.

Allerdings müssen alle Kontakte den gleichen Messenger benutzen, denn so gut wie jeder IM benutzt sein eigenes Übertragungsprotokoll. Daran hat sich bis heute nichts geändert, daher ist auch das ein Hauptkriterium bei der Wahl seines Messenger. Deshalb muss man sich eventuell auch mehrere IM Clients installieren, allerdings gibt es spezielle Programme, die alle Messenger in einer Bedienoberfläche zusammenfassen.

Trotz dieser Gemeinsamkeiten haben die IMs im Laufe der Zeit natürlich diverse Modernisierungen erfahren, wie Videochat oder Facebook-Anbindung, über die jedoch nicht alle Messenger verfügen. Daher stellen wir Ihnen die wichtigsten Vertreter und ihre Funktionen hier kurz vor.


ICQ

Der erste und wohl auch am weitesten verbreitete Instant Messenger ist ICQ (I seek you).

Neben den ICQ Kontakten kann man damit dank Facebook-Anbindung auch gleich mit seinen dortigen Kontakten im Chat kommunizieren, Videochat und Multichat (mehrere Kontakte gleichzeitig) ist jedoch nur mit ICQ Kontakten möglich. Außerdem unterstützt die neue Version auch einen Nachrichtenfeed, mit dem man laufend die neuesten Postings seiner Kontakte von Facebook, Twitter etc. angezeigt bekommt. Eine Besonderheit ist auch die Funktion „ICQ2Go!“.

Damit kann man sich auf jedem Computer mit Internetzugang auf der ICQ Homepage mit seinem Account einloggen und hat dann alle Clientfunktionen, ohne diesen auf dem Rechner installieren zu müssen. Außerdem gibt es eine mobile ICQ Version für den Einsatz auf allen gängigen Handys.

Und nicht zuletzt kann man sich mit ICQ seine Mails von gmail etc. anzeigen lassen und SMS versenden und empfangen, auch das Übertragen von Dateien und die Freigabe von Bildern ist möglich. Damit ist ICQ nach wie vor einer der besten Messenger, nicht zu überladen, aber trotzdem mit vielen praktischen Funktionen. Auf der Messenger Homepage findet man zudem diverse Minigames für zwischendurch, einige sind auch beim Client dabei. (www.icq.de)


AIM (AOL Instant Messenger)

Der amerikanische Konzern AOL (America Online) setzte mit dem AIM ebenfalls bereits sehr früh auf eine eigene IM-Lösung, kaufte aber dennoch ICQ dazu (der in diesem Jahr allerdings wieder verkauft wurde).

Die aktuelle Version von AIM ergänzt den Chat noch um Newsfeeds aus diversen sozialen Netzen wie Facebook, Twitter etc., außerdem bietet sie neben Text- und Videochat auch noch einen Audiochat. Wie bei ICQ gibt es auch mobile Versionen für alle gängigen Handys, man kann sogar bei seinem Status anzeigen lassen, dass man im Moment mobil erreichbar ist. Und es gibt ebenfalls ein Webinterface (AIM Express), um die Funktionen auch auf anderen Computern nutzen zu können.

Eine Besonderheit bei AIM sind die Blast Groups. Damit lassen sich Kontakte in Gruppen zusammenfassen und anschließend werden die eigenen Postings an alle Mitglieder dieser Gruppe gesendet. Ansonsten decken sich die Funktionen mit ICQ, doch da AIM eher in den USA verbreitet ist, wird man bei uns mit ICQ eher Kontaktpartner finden. Dafür gibt es auf der Messenger-Homepage ein breites Angebot an Internet-Radiosendern. (www.aim.com)


Yahoo! Messenger

Als eine der ersten großen Suchmaschinen ist Yahoo! auch bei uns bekannt geworden, wobei das amerikanische Unternehmen seit Beginn noch einige weitere kostenlose Onlinedienste anbietet, darunter auch den eigenen Messenger. Neben den üblichen Chatfunktionen, inklusive Video- und Voicechat, bietet der IM auch Telefonie über den Client. Wie bei Skype sind Telefonate von PC zu PC gratis, alle anderen werden vom Guthaben abgebucht, mit dem man seinen Account zuvor aufladen muss.

Der Multichat (Konferenz) unterstützt sowohl Text- als auch Voicechat, außerdem kann man mit seinen Kontakten Dateien austauschen und Bilder freigeben. Bei der Einbindung sozialer Netzwerke wird hingegen gespart. Es ist lediglich auf diversen (auch eigenen) Seiten möglich eine „Pingbox“ einzubauen, über die dann im Messenger kommuniziert werden kann, das funktioniert jedoch beispielsweise nicht bei Facebook oder Twitter. Dafür bei Windows Live und auch mit Kontakten, die den Windows Live Messenger benutzen, kann direkt kommuniziert werden.

Ansonsten stehen auch wieder ein Webinterface sowie Clients für den mobilen Einsatz zur Verfügung, außerdem findet man auf der Homepage zum Client auch noch einige Plugins, die jedoch eher geringen Mehrwert haben. In Summe ist dieser Messenger daher wohl nicht unbedingt die erste Wahl. (www.yahoo.de)


Windows Live Messenger

Es wäre nicht Microsoft, wenn nicht auch die Redmonder ihren eigenen Messenger hätten. Passend zum gesamten Onlineauftritt wurde aus dem MSN (Microsoft Network) der Windows Live Messenger, der jetzt nicht nur Neuigkeiten aus dem hauseigenen Netzwerk anzeigt, sondern auch aus sozialen Netzwerken. Dazu zählen nicht nur Facebook und Myspace, sondern via Windows Live kann man sich auch mit YouTube, Flickr, Xing und einigen anderen verbinden. Neben Video- und Voicechat darf in Zukunft auch mit anderen Kontakten telefoniert werden, doch diese Funktion ist in Europa noch nicht implementiert, auch die Kosten sind nicht verfügbar. Bild- und Dateifreigaben finden ebenfalls über den eigenen Webspace bei Windows Live statt, Dateien können aber auch direkt verschickt werden. Als Besonderheit besteht auch die Möglichkeit, Webcam-Übertragungen zu starten, wobei der Nutzen hier wohl eher gering ist. Prinzipiell ist der Messenger von Microsoft durchaus gut, entfaltet seine Möglichkeiten jedoch klarerweise nur in Verbindung mit einem Windows Live Account. (http://messenger.live.de)


Google Talk

Eine schlanke Lösung für Google Fans ist Google Talk. Es lässt sich als eigener Client downloaden oder in den Browser als Plugin installieren, wobei dann auch Videochat möglich ist. Telefonieren von PC zu PC ist auch möglich, ansonsten beschränkt sich Google Talk jedoch auf die grundlegendsten Funktionen, auch die Einbindung sozialer Netze ist nicht möglich. Als Ergänzung, wenn man einige Freunde mit Gmail-Account hat, ist der Google Messenger also vielleicht sinnvoll, aber ansonsten bietet er im direkten Vergleich eher wenig Funktionen. (www.google.com/talk)


Skype

Bei Skype steht selbstverständlich die Telefonie im Vordergrund, dennoch ist es auch ein sehr praktikabler Messenger. Es wird Text- und Video-chat unterstützt, die meisten Möglichkeiten bietet jedoch selbstverständlich das Telefonieren in alle Richtungen. SMS versteht sich da von selbst, aber man kann auch Sprachnachrichten verschicken. Als reiner Messenger muss sich Skype jedoch aufgrund fehlender Anbindung an Facebook und Co. den anderen geschlagen geben, das machen auch die kleinen Spiele nicht wett, die man dazu erhält. (www.skype.de)


Multiclients Trillian & Co

Je mehr Freunde und Bekannte man hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie unterschiedliche IM-Programme verwenden. Dafür gibt es bereits diverse Multiclients, die mehrere Messenger unterstützen. Anstatt also zwei oder drei Clients öffnen zu müssen, meldet man sich einfach bei einem an und hat alle seine IMs unter einer Oberfläche. Allerdings nimmt man damit natürlich Funktionseinschränkungen in Kauf, denn einige „Spezialitäten“ – wie beispielsweise Multichat - der einzelnen Clients werden dabei nicht unterstützt. Die wichtigsten Funktionen sind aber auch hier verfügbar, manchmal auch viel mehr.

Der bekannteste Multiclient ist wohl Trillian (www.trillian.im). Er unterstützt so gut wie alle gängigen IM-Clients, sogar Skype und der Facebook Chat können verwendet werden. Besonders praktisch ist dabei, dass auch viele spezielle Features der einzelnen Messenger zugänglich sind. So kann man Skype Kontakte anrufen oder Videochats mit jenen starten, deren Client das unterstützt. Auch Mailversand oder Dateiübertragung ist mit Trillian kein Problem, zusätzlich lassen sich auch noch Widgets mit weiteren Funktionen installieren. Insgesamt ist das Programm zur Verwendung mehrerer IM Accounts also auf jeden Fall zu empfehlen. Zwei weitere interessante Multiclients sind Miranda (www.miranda-im.org) und Pidgin (www.pidgin.im). Beide basieren auf Linux und sind in der Grundausstattung schlanke Multiclients, die ebenfalls viele Übertragungsprotokolle unterstützen. Das Besondere ist, dass sie eben Open Source Programme sind und es daher bereits viele Plugins gibt, die je nach Bedarf die Funktionen sinnvoll erweitern. Das reicht von Videochat bis zur Skype-Unterstützung, auch die Einbindung sozialer Netze ist so möglich. Da das Sortiment hier ständig erweitert wird, empfiehlt es sich also, sich auf der jeweiligen Homepage über die verfügbaren Plugins zu informieren.

Für den mobilen Einsatz gibt es selbstverständlich auch diverse Multiclients. So unterstützt Trillian alle Handyplattformen, aber es gibt diverse weitere. Als Alternative zu SMS und bei einer kostengünstigen Internetanbindung kann man damit also auch am Handy bei seinen Freunden auf dem Laufenden bleiben.


Fazit:

Die neue Generation der Instant Messenger ist in Summe am aktuellen Stand der Technik und macht dabei die Kommunikation über das Internet einfach und effizient. Ob als SMS Ersatz oder für eine Video-konferenz, IM bietet inzwischen eine Vielzahl an Optionen, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben, ob daheim, im Büro oder unterwegs.

Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp: Falls Sie im Büro keinen IM installieren können, ist das Chatten über einen Umweg möglich. Einfach einen Google Mailaccount anlegen und sofort hat man Zugriff auf die Online-Funktion „Texte & Tabellen“. Erstellt man dort ein neues Dokument, kann man einfach andere Kontakte zum Bearbeiten einladen, wobei hier ebenfalls eine Chatfunktion zu finden ist. Nicht sehr bequem, aber immerhin möglich.

 
 
 
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