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Mittlerweile erfreuen sich Computer an der Tatsache, dass sie mit den unterschiedlichsten Aufgaben betraut werden. Neben den klassischen Anwendungsbereichen empfiehlt sich der heimische PC zunehmend auch als Privatlehrer. Während der Nachwuchs voller Inbrunst virtuell den Abitur-Stoff durchkaut, nutzen die Eltern vielleicht die Möglichkeit, die Landessprache des nächsten Urlaubsziels zu erlernen. Sprachlernprogramme stehen hoch im Kurs. Grund genug, mal einen Blick drauf zu werfen.
Vorurteile Vielfach wird vermutet, dass sich solche Programme darauf beschränken, Standard-Vokabeln einer Sprache zu vermitteln – bestenfalls dazu geeignet, dem Anwender das Gefühl zu vermitteln, in bestimmten Situationen sich in der Landessprache verständlich machen zu können. Doch weit gefehlt. Die Zielsprache wird häufig in lebendigen Lektionen mit Dialogen, wie sie vielleicht noch aus der Schulzeit bekannt sind, bis zu einem recht hohen Niveau vermittelt. Die Grammatik kommt nicht zu kurz und häufig ist auch ein virtuelles Sprachlabor enthalten, das die korrekte Aussprache trainiert. Als gemeinsame Schnittmenge haben alle Anbieter gemein, dass sie vor allem die Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch anbieten. Viele gehen noch darüber hinaus und auch „exotischere“ Sprachen können erlernt werden. Gute Sprachlernprogramme sind häufig recht teuer. Aber nur auf dem ersten Blick. Um ein vergleichbares Niveau in Sprachschulen zu erzielen, ist meist mehr Geld auf den Tisch des Hauses zu blättern. Also ran an die Arbeit! Lernen wir Sprachen! Assimil „Lernen ohne Mühe“
Beginnen wir mit einem jüngst gescholtenen Außenseiter. Die Sprachlernpakete von Assimil sind vor noch gar nicht so langer Zeit von den werten Kollegen verrissen worden. Das verleitet natürlich zu einem kritischen Blick. Auf dem ersten Blick wirkt die Präsentation ein wenig antiquiert. Ausgeliefert wird die Software nebst Lehrbuch in einer Kunststoff-Verpackung, die einer überdimensionalen Videohülle ähnelt. Enthalten ist eine einzelne CD-ROM und das genannte Buch. Der kleinformatige Wälzer im Hardcover-Einband hat einen Umfang von fast 500 Seiten und bietet neben den Texten der auf der CD abgehandelten Lektionen auch viele Informationen zur Grammatik und Aussprache. Irgendwie erinnert das Werk an die alten Schulbücher, mit denen sich viele von uns durch den Englischunterricht quälen mussten. Doch das hat auch einen gewissen Charme. Lassen wir an dieser Stelle die Literaturkritik hinter uns und widmen wir uns der CD. Das enthaltene Programm erscheint nach erster Sichtung ebenfalls ein wenig minimalistisch. Doch wenn die erste Lektion ernsthaft absolviert wurde, klärt sich auch der Blick auf das dahinter liegende Konzept. Der Umfang der Lektionen ist so beschaffen, dass sie mit einem täglichen Lernpensum von maximal einer halben Stunde bewältigt sind. Jede Lektion besteht aus einem Dialog, mit dessen Hilfe neue Vokabeln vermittelt werden sowie aus darauf aufbauenden Übungen. Dialogsätze können einzeln abgehört werden, um die Aussprache zu trainieren. Wem die Dialogansicht zu aufgeräumt wird, der sollte mal ein wenig die Maus bewegen, nachdem der Dialog zum ersten Mal wiedergegeben wurde. Rechts von der Darstellung der Zielsprache befindet sich die deutsche Übersetzung. Damit ist innerhalb der Dialoge eine einfache aber effektive Möglichkeit gegeben, auch gleich die Vokabeln zu trainieren. Die Übungen werden durch einfache Drag & Drop-Operationen oder durch das Eintippen von Wörtern in Lückentexten absolviert. Sprachspezifische Sonderzeichen können mit Hilfe von Schaltflächen, die an geeigneter Stelle angebracht sind, eingefügt werden. Technische Besonderheiten bietet dieses Paket nicht. Der Hersteller setzt ganz auf intuitives Lernen. Eine Aussprache-Erkennung existiert nicht. Einzig die entsprechenden Kapitel im Buch und die Sprachausgabe helfen dabei, die richtigen Worte zu finden. Nichtsdestotrotz verhelfen die Assimil-Pakete zu schnellen Lernerfolgen und bei kontinuierlicher Arbeit mit den Programmen kann ein nachhaltiger Lerneffekt erzielt werden. Fazit: „Lernen ohne Mühe“ von Assimil bietet dem Anwender zwar keine Multimedia-Orgie, aber dafür ein durchdachtes Konzept zum Erlernen von Fremdsprachen. Der Anschaffungspreis von knapp hundertfünfzig Euro erscheint angemessen. Die Auswahl beschränkt sich zudem nicht nur auf die vier Grundsprachen – rund zwanzig Sprachen, darunter auch „Exoten“, wie zum Beispiel Suaheli können gelernt werden. Multilingua Intensivkurs
Ein Sprachkurs, der nicht allzu sehr das Budget des Anwenders strapaziert, ist der Multilingua-Kurs des Herstellers USM. Für gerade mal dreißig Euro erhält dieser ein Software-Paket, das aus zwei CD-ROM besteht. Die erste CD enthält den Sprachkurs, die zweite einen Vokabeltrainer, der dabei hilft, das Erlernte zu vertiefen. So viel zur Ausstattung. Zu diesem Preis kann freilich kein gedrucktes Buch erwartet werden. Die fünfzehn Lektionen bauen aufeinander auf. Zum Trainieren des Hörverständnisses können die Dialogtexte während der Wiedergabe ausgeblendet werden. Der Kurs beginnt mit dem klassischen Grundstock. Zunächst lernt der Anwender, wie man sich in der Zielsprache begrüßt, sich gegenseitig vorstellt und die ersten Höflichkeitsfloskeln. So nach und nach werden diese Kenntnisse weiter ausgebaut. Optisch präsentiert sich dieser Kurs in einer grafisch ansprechenden, aber niemals aufdringlichen Oberfläche. Negativ macht sich lediglich bemerkbar, dass die Qualität der Sprachausgabe sehr zu wünschen übrig lässt. Das gewaltige Grundrauschen der viel zu geringen Samplerate ergibt oft ein viel zu undifferenziertes Klangbild, um die Feinheiten der Aussprache genau zu analysieren. Wer sich jedoch für seinen Urlaub einen bestimmten Grundwortschatz in der Sprache des Urlaubslandes aneignen möchte, der kann dies mit Hilfe dieses Kurses tun, ohne bereits im Vorfeld die Reisekasse über Gebühr zu strapazieren. Fazit: Die Multilingua-Intensivkurse vermitteln einen soliden Grundwortschatz zu einem sehr vernünftigen Preis. Lernsoftware in dieser Preisklasse verfügt naturgemäß über keine überdurchschnittliche Ausstattung sodass es vermessen wäre, an dieser Stelle das Fehlen gedruckter Lernhilfen zu kritisieren. Lediglich an den Klangqualität der Sprachausgabe sollte noch ein wenig gefeilt werden. Die Sybex-Sprachpakete
Es geht sogar noch billiger. Zwanzig Euro kostet ein Sprachpaket von Sybex. Und eine nette Beigabe ist auch noch drin: Ein 64-seitiges Heftchen, Reise-Sprachführer genannt, kann der Reisende mit in den Urlaub nehmen. Darin befinden sich 2.000 Redewendungen in Deutsch und der jeweiligen Zielsprache. Neben der Installations-CD fällt dem stolzen Besitzer auch noch eine Audio-CD in die Hände. Es kann also auch ohne PC gelernt werden. Das sind beides nette Extras, aber werfen wir erst mal einen Blick auf die Software. Nach der Installation ist die Ernüchterung groß. Das Lernpaket entpuppt sich als Lernpäckchen, das exakt jene Floskeln enthält, die in dem Sprachführer abgedruckt sind. Das ist sicherlich im einen oder anderen Fall hilfreich, aber die gewünschte Zielsprache lernt der Anwender auf diese Weise nicht. Was nützt es, wenn Sie, um mal ein konkretes Beispiel aus dem Paket zu nehmen, zwar in Spanisch fragen können, ob die angesprochene Person auch Haarentfernungen macht, die sehr wortreiche Antwort dann jedoch lediglich mit tellerrunden Augen quittieren? Doch wir wollen gnädig sein: Nicht jeder möchte sich für drei Wochen Urlaub gleich die komplette Landessprache eintrichtern und so mancher Anwender wünscht sich lieber ein paar wichtige Redewendungen. Dafür ist dieser Kandidat sehr gut geeignet. Schnell sind die wichtigsten Wendungen gelernt und mehr oder weniger perfekt ausgesprochen und schon kann es ans Kofferpacken gehen. Mehr ist für diesen Preis nicht drin. Überhaupt nicht gut durchdacht ist übrigens die Gestaltung der CDs. In dem vorliegenden Spanisch-Paket sind die Silberlinge in heller gelber Farbe auf weißem Hintergrund bedruckt, sodass der Anwender neben dem Sprachkurs auch noch einen kostenlosen Sehtest erhält. Fazit: Die Sybex-Spachpakete eignen sich als schnelle Lösung für jene, die für bestimmte Lebenslagen im Urlaub ein paar sprachliche Stützpfeiler benötigen. Wer ernsthaft eine Sprache erlernen möchte, ist mit diesem Programm eher schlecht beraten. In Anbetracht des vergleichsweise niedrigen Kaufpreises wird jedoch ein ordentlicher Gegenwert geboten. Rosetta Stone
Das Lernkonzept, das sich die Macher von Rosetta Stone ausgedacht haben, hört auf den rechtlich geschützten Namen „Dynamic Immersion“. Was steckt dahinter? Sie lernen nicht mehr nach der klassischen Methode, bei der Ihnen Lektion für Lektion durch Dialoge und Übungen Vokabeln und deren Übersetzung näher gebracht werden. Statt dessen sehen Sie Bilder und hören dazu kurze Floskeln. Der Trick dabei ist, dass Sie Texte und Bilder assoziativ verknüpfen und damit nach und nach eine neue Sprache erlernen. Die Texte werden teils eingeblendet, teilweise muss der Lernende aber auch mit der reinen Sprachausgabe zurechtkommen. In der Tat stellt sich schon nach kurzer Zeit ein gewisser Erfolg ein. Wer allerdings gerne die Kontrolle behält und bevorzugt mit Vokabellisten arbeitet, der wird sich hier beim Lernen rasch verloren vorkommen. Grundsätzlich ist die Idee gut, erfordert allerdings ein gewisses Umdenken. Um die ersten Sätze eigenständig bilden zu können, vergeht viel Zeit. Zunächst werden Gegenstände oder Personen benannt, dann kommen die ersten Verknüpfungen mit bestimmten Tätigkeiten, Pluralbildungen und erst so nach und nach finden dann auch die ersten Adjektive den Weg in den neu zu erwerbenden Wortschatz. Das Experiment mit einer solchen Lernmethode ist sicherlich interessant. Allerdings ist damit ein erhebliches finanzielles Risiko verbunden, denn diese Lernpakete sind alles andere als billig. Um zum Beispiel einen Spanisch-Komplettkurs zu belegen, muss der Anwender satte 569 Euro auf den Tisch des Hauses blättern. Die einzelnen Lernstufen sind zwischen 199 und 229 Euro zu haben. Geld lässt sich sparen, indem zu dem Online-Kurs auf der Webseite gegriffen wird. Ein 12-Monats-Abonnement für alle fünf Lernstufen kostet 249 Euro. Die Frage ist nur, ob diese Zeit ausreicht, um dieses Pensum durchzuarbeiten. Fazit: Ein völlig anderes Konzept verspricht laut Hersteller einen nachhaltigen Lernerfolg. In der Kürze der gegebenen Zeit für diesen Vergleichstest war es immerhin möglich, ein paar Vokabeln zu erschließen. Was jedoch abschreckt, ist der hohe Preis. In diesem Zusammenhang sollte aber nicht verschwiegen werden, dass Kunden eine umfassende Geld-zurück-Garantie angeboten wird. Berlitz Intensivkurs
Der Name Berlitz steht bekanntlich für hochwertiges Sprachenlernen. Entsprechende Sprachschulen sind nahezu europaweit vorhanden. Inzwischen gibt es Berlitz auch in virtueller Form. Zum einen ist diese Sprachschule im Internet vertreten, zum anderen gibt es den vorliegenden Intensivkurs, der von dem Software-Hersteller Avanquest vertrieben wird. Knapp fünfzig Euro soll dieses Paket kosten. In Anbetracht an die Anschaffungspreise für wirklich gute Sprachlernprogramme erscheint dieser Preis ausgesprochen niedrig. Umso größer war die Überraschung, als der Inhalt der Schachtel in Augenschein genommen wurde. Neben der Installations-DVD lagen darin von 4 Audio-CDs und eine MP3-CD. Lernen fernab des Computers ist also ohne Weitere möglich. Dank der MP3-Variante können die Daten auch auf den MP3-Player übertragen werden. Außerdem war noch ein Headset enthalten. Der Lernende erhält also mit dem Kauf dieses Kurses gleich die notwendige Vollausstattung. Nur der Computer muss schon vorhanden sein. Die Lektionen sind so strukturiert, dass es ohne Weiteres möglich ist, innerhalb kürzester Zeit die ersten Lernerfolge zu erzielen. Auch die Grammatik wird dem Anwender leicht verständlich näher gebracht. Das integrierte Sprachlabor überprüft die Aussprache und hilft somit dabei, diese rasch zu beherrschen. Fazit: Für den geringen Kaufpreis bietet der Berlitz Intensivkurs eine ganze Menge. Der Umfang des dargebotenen Lernmaterials ist groß, die Lektionen sind gut durchdacht und die Audio-CDs sind gut durchdacht. Dass noch eine MP3-CD für IPod & Co.-Besitzer und ein Headset beiliegt, ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Vor allem nicht in dieser Preisklasse. Hut ab. Digital Publishing Komplettkurs
Der Name ist eindeutig: Der Komplettkurs von Digital Publishing deckt die Lernbereiche von A1 bis B2 nach dem TELC-Standard ab. Mehr als 10.000 Vokabeln werden dem Lernenden vermittelt. Grammatik, Aussprache und die korrekte Verwendung der gewählten Sprache kann in insgesamt 30.000 Übungen trainiert werden. Hinzu kommen noch Video-Dialogtrainer und ein Tutor, links oben im Programmfenster eingeblendet, konfrontieren ab dem ersten Augenblick den Anwender mit der gewählten Zielsprache. Das Hörverständnis wird damit sofort umfassend geschult. Ein Aussprachetrainer analysiert die gesprochenen Worte und zeigt an, wie nahe die geübte Aussprache an die Landessprache herankommt. Lernerfolge werden automatisch in einer Lernstatistik übernommen. Somit ist sofort ersichtlich, in welchen Teilbereichen noch Aufarbeitungsbedarf besteht. Das Paket wendet sich sowohl an Anfänger als auch an jene Anwender, die bereits mit der gewählten Fremdsprache in Kontakt gekommen sind. Ein Einstufungstest prüft das aktuelle Niveau bereits vorhandender Kenntnisse und die folgenden Übungen bauen danach auf. Enthalten sind neben der Programm-DVD noch vier Audio-CDs und drei Textbücher mit den Dialogtexten zum Nachschlagen. Wer das TELC-Zertifikat erwerben möchte, übt zudem mit dem ebenfalls enthaltenen Prüfungstrainer. Ein umfassendes Online-Angebot zur Ergänzung rundet das üppige Paket ab. Die Software kostet 199 Euro und gehört damit nicht zu den billigsten Produkten. Durch die umfangreiche und vielseitige Lernumgebung ist der Preis in jedem Fall gerechtfertigt. Die große Vielfalt birgt lediglich den Nachteil in sich, dass Programmeinsteiger zunächst eine gewisse Einarbeitungszeit in Kauf nehmen müssen, um anschließend effektiv lernen zu können. Fazit: Das Programm ist zwar nicht gerade billig, bietet aber für sein Geld einen gewaltigen Gegenwert. Die Lernmotivation bleibt immer auf hohem Niveau, mit recht wenig Zeitaufwand pro Tag lässt sich im Laufe der Zeit ein umfassender Sprachschatz aneignen. Kurz erklärt: TELC Die Abkürzung beschreibt ein Sprachzertifikat nach Maßgabe europäischer Rahmenrichtlinien. Jeder kann an geeigneter Stelle eine Prüfung für das angestrebte Niveau ablegen und erhält in der Folge eine entsprechende Zertifizierung. Die Niveaustufen werden wie folgt festgelegt: A1 und A2 = Elementare Sprachverwendung (einfache Sätze, häufige Wendungen) B1 und B2 = Fortgeschrittene Sprachverwendung (einfache Gespräche führen) C1 und C2 = Kompetente Sprachverwendung (komplexere Gespräche führen, flüssige Kommunikation) |