Das intelligente Haus

Stellen Sie sich vor, Sie finden sich in Ihrem Lieblingsrestaurant zu einem romantischen Candle­light-Dinner ein. Doch die romantische Stimmung findet ein rasches Ende, als die Frage auftaucht, ob die Herdplatten wirklich ausgeschaltet sind. Es bleibt nur noch eines: Sie fahren nochmals wutschnaubend nach Hause, um den Herd zu überprüfen. Oder Sie rufen mal kurz Ihr Haus an. Science Fiction? Mitnichten: Der Hersteller Nokia stellt sein neues Smarthome-System vor.

Eine Box für alles

Der Begriff „Smarthome“ lässt sich grob in „intelligentes Heim“ übersetzen. Das Herzstück dieses neuen Nokia-Systems ist eine kleine Box, die „Home Control Center“ genannt wird. Dieses Gerät ist mit einem Open-Linux-System ausgestattet. Über eine bestehende Online-Verbindung lässt sich das Home Control Center via Internet von jedem beliebigen PC oder – und darin liegt der besondere Vorteil – Smartphone ansteuern. Das System soll Ende 2009 erhältlich sein.

Offen für alles

Für die vielseitige Nutzbarkeit dieses Systems spricht, dass Nokia die Schnittstellen für Dritthersteller freigegeben hat. So können spezialisierte Peripheriegeräte für besondere Erfordernisse entwickelt und vertrieben werden, die der Endanwender schlussendlich nur noch mit dem System verbinden muss, um von außen darauf zugreifen zu können. Eine erste Zusammenarbeit mit dem Energieanbieter RWE gibt es bereits. Hier soll das System vor allem zur energiesparenden Kontrolle von Heizungen zum Einsatz kommen. Derzeit wird darüber nachgedacht, dieses Gerät als Subventionsgerät gebündelt mit neuen Energieverträgen zu vertreiben.

Volle Kontrolle

Die Möglichkeiten, die sich mit diesem System ergeben, sind sehr vielfältig. Neben dem oben angesprochenen eher trivialen Beispiel mit der Herdplatte lassen sich alle Energiespar- und Sicherheitsanforderungen, die sich in einem modernen Haushalt ergeben, ohne weiteres realisieren. Über das Handy ferngesteuert können Heizungsthermostate geregelt werden, der regelmäßige Energieverbrauch lässt sich von nahezu jedem beliebigen Ort aus abrufen. Auch Bewegungsmelder und Überwachungskameras können angesteuert und beobachtet werden. Und selbst als Babyphone könnte das System Verwendung finden. Daneben gibt es noch die ortsunabhängige Kontrolle der unzähligen Haushaltsgeräte.

Wie funktioniert das System?

Das Home Control Center ist ein WLAN-Router, der eine Datenübertragungsrate von maximal 300 Mbps unterstützt. Dieser ist auf heimischer Seite mit den verschiedenen Peripherie-Geräten verbunden, welche die gewünschten Kontroll- und Steuerungsaufgaben übernehmen. Auf der anderen Seite steht ein Backend-Server zur Verfügung, die die nahtlose Kommunikation zwischen Handy und der Box übernimmt. Über den Backend-Server werden auch sämtliche Software-Updates für das System auf die angeschlossenen Geräte übertragen. Die Bedienung erfolgt über eine intuitive Benutzeroberfläche.

Intelligente Häuser

Der Begriff „Intelligentes Haus“ macht schon seit Jahren die Runde. Es gibt bereits verschiedene Systeme, die jedoch eine Reihe von Nachteilen in sich vereinen. In der Regel handelt es sich um proprietäre Systeme, bei denen jedes Zusatzmodul vom selben Hersteller sein muss. Zudem ist meist ein hoher Installationsaufwand vonnöten und darüber hinaus sind diese Systeme sehr teuer. Das Smarthome-System von Nokia hat hingegen genau diese Nachteile ausgemerzt. Die Zugriff auf Sensoren und andere Peripheriegeräte kann drahtlos erfolgen, die Schnittstelle liegt offen und kann von beliebigen Drittanbietern genutzt werden, Kooperationen mit namhaften Unternehmen, wie RWE oder Danfoss laufen bereits und mit der Option, dieses System als Subventionsgerät für bestimmte Verträge zu erhalten, sind eine rasche Verbreitung und relativ niedrige Anschaffungskosten gesichert. Dadurch ist Sicherheit für jedermann finanzierbar geworden.

Smarthome in der Praxis

Für diejenigen, die sich unter diesem System noch nicht viel vorstellen können, soll ein solches System mit Hilfe konkreter Beispiele näher gebracht werden.

Herr Müller besitzt ein normales Einfamilienhaus. Das Gebäude ist schon etwas älter und als Durchschnittsverdiener möchte er vermeiden, riesige Installations- und Anschaffungskosten berappen zu müssen. Dennoch legt er großen Wert auf Sicherheit und sucht nach einer entsprechenden Lösung. Hier kommt das neue System von Nokia ins Spiel.

Die Werbebotschaften der bereits verfügbaren Broschüren klingen vielversprechend. Der Router ist mit wenigen Handgriffen installiert. Eine Konfiguration ist nicht nötig. Zunächst werden die Heizungsthermostate mit dem Router verbunden. Die ferngesteuerte Regelung der Zentralheizung hilft dabei, Energie zu sparen. Monitore überwachen außerdem, ob es noch eingeschaltete elektrische Verbraucher, angefangen beim Licht bis hin zu Großgeräten, gibt. Diese können gegebenenfalls ferngesteuert abgeschaltet werden.

Auch Überwachungskameras sind bereits angeschlossen. Direkt am Handy können die Bilder, die diese Kameras liefern, gesichtet werden. Einbrecher müssen damit rechnen, rasch live auf Sendung zu sein. Außerdem können sie mit ferngesteuerter Festbeleuchtung vertrieben werden.

Auch was die lieben Kleinen während der Abwesenheit der Eltern machen, kann somit leicht überprüft werden. Die verbotenen Früchte sind bekanntlich die süßesten und können neuerdings mit Sensoren ausgestattet werden. Auch das Befinden der ganz Kleinen lässt sich mittels einer erweiterten Babyphone-Funktion überwachen. Big Daddys eye is watching you.

Sicherheit

Es ist natürlich wenig hilfreich, wenn jede beliebige Person von außen auf Ihr System zugreifen kann. Der Zugriff erfolgt demnach ausschließlich über einen User-Account, bestehend aus Benutzernamen und Passwort. In welchem Umfang diese Sicherungsmaßnahme sabotagesicher ist, wird die Praxis zeigen müssen, wenn die Geräte im Handel sind.

Der Hersteller gibt sich derzeit zuversichtlich, ein sicheres System entwickelt zu haben.

Vor- und Nachteile

Die Vorteile liegen auf der Hand und bedürfen eigentlich keiner weiteren Interpretation. Das Maß an Kontrolle über das eigene Heim nimmt signifikant zu. Die Sicherheit wird erhöht und in Zeiten steigender Energiepreise kann mit solch einer Box richtig Geld gespart werden.
Allerdings hat jede Medaille zwei Seiten. Die ersten Bedenken sind eher philosophischer Natur. Wir sind dabei, uns immer mehr zu üb

erwachen. Es gibt kaum noch ein Bereich in unserem Leben, der nicht bereits mehr oder weniger mit Hilfe moderner Technologie ständig überwacht wird. Während noch vor wenigen Jahren Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen für heftige Diskussionen gesorgt haben, wird mittlerweile jede dieser Kameras nur noch mit stoischer Gelassenheit zur Kenntnis genommen. Und nun fangen wir an, unser eigenes Zuhause einer umfassenden Kontrolle zu unterwerfen. Es wird irgendwann der Punkt kommen, an dem wir, wenn wir nicht aufpassen, die Kontrolle darüber verlieren.

Die technischen Nachteile reduzieren sich vor allem auf die Bedenken bezüglich der Sicherheit. Hier wird nach dem Verkaufsstart die Praxis zeigen müssen, ob Nokia seine Hausaufgaben richtig gemacht hat und ob das System hinreichend sicher vor Hackern ist.

Technik

Ausgeliefert wird das Home-Control-System in Form einer Box, die sich in puncto Größe und Aussehen kaum von einem WLAN-Router unterscheidet. Das Gehäuse kann optisch angepasst werden. Zwei Antennen sorgen für die nötige WLAN-Konnektivität. Unterstützt wird unter anderem der Z-Wave-Standard, eine genormte Schnittstelle für Heimautomation auf drahtloser Basis (siehe Infobox). Im Inneren befindet sich neben 256 MB DDR-2-Arbeitsspeicher ein 6-GB-Speichermodul. Die Kapazität kann mit einer SD-Karte erweitert werden. Neben WLAN enthält die Box noch einen LAN-, sowie 4 USB-2.0-Anschlüsse.

 
 
 
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