Durchblick im Komponenten-Dschungel

Immer mehr Händler bieten an, sich seinen PC online selbst zusammenzustellen. Dabei hat man die Auswahl an unterschiedlichsten Komponenten in ebenso unterschiedlichen Preisklassen. Doch was braucht man wirklich und wo kann man sparen? Wir haben einige Beispielsysteme zusammengestellt, anhand derer man sich orientieren kann, welche Komponenten enthalten sein sollen, um zufriedenstellende Leistungsergebnisse zu erhalten.

Office-PC

Wer seinen PC ausschließlich zum Arbeiten benutzt – also für Internet-Recherche, Dokumenterstellung, E-Mail-Verkehr etc. – kommt mit einem sparsamen System aus. Das beginnt schon beim Gehäuse, das ruhig etwas kleiner ausfallen darf (Formfaktor microATX), da die Hitzeentwicklung der verbauten Komponenten nicht besonders hoch ist, und auch beim Netzteil reicht eine günstige 350 Watt Stromversorgung. Beim Laufwerk würde sogar ein reines Leselaufwerk zur Softwareinstallation genügen, wegen des niedrigen Preisniveaus ist jedoch ein günstiges DVD-Brennlaufwerk zu empfehlen. Maus und Tastatur können ebenfalls nach Preislage, Geschmack und Anforderungen gewählt werden.

CPU:
In Ausnahmefällen können hier auch Singlecore-Prozessoren in Verbindung mit Windows XP oder Linux zum Einsatz kommen, was aber nicht empfehlenswert ist. Ab Windows 7 sollte man auf jeden Fall einen üblichen Dualcore-Prozessor wählen, der für alle Aufgaben bestens gerüstet ist und auch mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen kann, ohne wirklich überlastet zu sein. Ein Beispiel ist der Intel Celeron E3300, der auch noch auf älteren Mainboards verbaut werden kann und so ebenfalls die Kosten niedrig hält. Hinzu kommt ein niedriger Stromverbrauch und die geringe Hitzeentwicklung sowie die lange Lebensdauer, die aus diesen Faktoren resultiert.

Mainboard:
Auch bei der Hauptplatine reicht ein billiges Board, wie beispielsweise das MSI G41TM-E43, das alle notwendigen Anschlüsse aufweist und sogar bereits HDMI beinhaltet. Prinzipiell kann aber auch jedes andere Board mit G41-Chipsatz verwendet werden.

Grafikkarte:
Für Office-Anwendungen ist der Onboard-Grafikchip mehr als ausreichend, auch Videos stellen kein Problem dar, solange man nicht im HD-Bereich herumexperimentieren will.

Speicher:
Ein günstiger 2 GB DDR2 (PC6400) Speicherstein ist hier ausreichend. Bei der Wahl des Arbeitsspeichers sollte man eigentlich nur darauf achten, dass er die richtige Geschwindigkeit hat und nicht zu teuer ist. Für die Anforderungen an einen Office-Rechner wäre alles, was mehr kann als das nötigste, übertrieben. Schließlich geht es hier beim Öffnen einer Homepage oder eines Videos nur um Sekundenbruchteile, die ein teurer Speicher schneller wäre, das  zahlt sich also nicht aus. Was sich eventuell auszahlen könnte, ist später einen zweiten Speicherstein nachzurüsten, wenn man doch einmal auch etwas in die Multimedia-Riege schnuppern will.

Harddisk:
Auch hier sind die Anforderungen moderat. Es genügt eine kleine Festplatte, wie die 320 GB große Spinpoint F4 von Samsung, die noch dazu sehr leise ist und auch nicht besonders heiß wird. Hat man sich für ein kleines Gehäuse entschieden, ist neben Preis und Kapazität eigentlich nur die Hitzeentwicklung maßgeblich. Hier sollte man sich beim Händler oder im Internet erkundigen, ob sie im System ausreichend gekühlt wird.


Multimedia-PC

Hier sind die Anforderungen bereits deutlich höher. Als erstes muss man sich schon einmal beim Gehäuse Gedanken machen. Bei der PC-Variante würde sich ein Midi Tower Gehäuse empfehlen, neuerdings gibt es jedoch für Multimedia-PCs auch sogenannte HTPC-Gehäuse (Home Theater Personal Computer).

Sie ähneln einem handelsüblichen DVD-Player, d.h. sie sind sehr klein und daher bringt man meist auch nur spezielle (teure) Komponenten unter, wobei bei diesen auch besonders auf die Wärmeentwicklung achtzugeben ist. Wer diesen Formfaktor wählt, sollte sich das Gerät direkt beim Händler zusammenstellen lassen, damit die Funktionalität auch gewährleistet ist und eine entsprechende Haftung besteht. In der PC-Variante sollte man vielleicht ein etwas stärkeres Netzteil wählen (400 bis 500 Watt), das natürlich auch nicht zu laut sein sollte. Hier sind Markenprodukte zu empfehlen, wie beispielsweise BeQuiet, Enermax, Corsair, OCZ, Zalman etc. Auch bei Maus und Tastatur kann man zu Multimedia-Geräten greifen, die eigene Tasten für Play/Pause/Lauter-Leiser usw. haben, sollte man den PC auch an den Fernseher anschließen wollen, sollten die Eingabedevices zudem kabellos sein, um bequem von der Couch aus navigieren zu können. Außerdem sollte man sich die Anschaffung eines Blu-ray Laufwerks überlegen, allerdings ist hier meistens noch zusätzliche Software (Player, z.B. CyberLink PowerDVD10) notwendig, um die Features nutzen zu können.

CPU:
Wer es nicht besonders eilig hat, kommt hier prinzipiell bereits mit einem Dualcore-Prozessor zurande, empfehlenswert ist jedoch ein günstiger Quadcore, wie z.B. der AMD Phenom X4 II. Selbst wenn die verwendete Software die vier Kerne nicht dezidiert ansprechen kann, ist ein schnelleres Arbeiten möglich, was sich besonders bei rechenintensiven Aufgaben bemerkbar macht (Foto- und Videobearbeitung, Kopieren großer Datenmengen).

Mainboard:
Ein günstiger Vertreter in der Multimedia-Klasse ist das MSI 770-C45. Wie alle Boards der 7er Serie hat es einen brauchbaren Audio-Chipsatz und genügend Anschlussmöglichkeiten, um Speicher und Festplattenkapazität bei Bedarf nachrüsten zu können, und auch Stromverbrauch sowie Wärmeentwicklung halten sich in vernünftigen Grenzen. Außerdem ist ein PCIe x16 Steckplatz vorhanden, der eine hohe Datenübertragungsrate gewährleistet, um eine geeignete Multimedia-Grafikkarte zu verbauen.

Grafikkarte:
Hier ist ein sehr gutes Beispiel die „PowerColor Radeon HD 6850 Premium“, da sie bereits Blu-ray decodieren kann (siehe Laufwerk) und über einen HDMI-Anschluss verfügt, um die Blu-ray Inhalte auch direkt am TV betrachten zu können. Außerdem ist sie verhältnismäßig leise, was gerade bei Multimedia-Anwendungen ins Gewicht fällt. Und sie erfüllt auch die Ansprüche für aktuelle Spiele, ohne jedoch eine optimale Karte in diesem Bereich zu sein. Selbstverständlich kann man aber auch andere Karten verwenden, sofern sie diesen Kriterien entsprechen.

Speicher:
Die Untergrenze, um vernünftige Geschwindigkeiten im Multimedia-Bereich zu erzielen, sind 4 GB DDR3 (besser 8 GB), am besten in zwei Bausteinen, da hier auch ein Dual-Betrieb ermöglicht wird, um die volle Leistung zu erzielen. Es genügen hier auch günstige 1066 MHz RAM Steine, die allerdings von Markenherstellern (Corsair, Kingston, OCZ, GeIL etc.) kommen sollten, denn wer hier billig kauft, kauft oft teuer, was sich durch Ausfälle und Performanceverluste bemerkbar macht.

Harddisk:
Für Multimedia-Inhalte ist im Moment die bequemste Lösung, gleich eine einzelne Platte mit 1 Terabyte (1.000 GB) zu verbauen, wobei es natürlich auf die Geschwindigkeit ankommt, damit die Platte nicht das System ausbremst und es bei der Wiedergabe von HD-Inhalten zu ruckeln beginnt. Ein Beispiel ist hier die Western Digital Caviar Black mit 7200 RPM (Umdrehungen per Minute). Alternativ kann man auch über eine schnelle SSD (Solid State Disk) als Systemplatte nachdenken und als Datenspeicher eine herkömmliche Harddisk verwenden, was ebenfalls einen kleinen Geschwindigkeitsvorteil bringt.

TV-Tuner:
Fernsehen gehört zu einem MM-PC wohl dazu, also sollte man sich auch eine entsprechende Tuner-Lösung suchen. Hier hängt es wieder davon ab, wie man den PC nutzen kann und möchte. In der Nähe des SAT-Receivers bietet sich vielleicht eine Steckkarte an, die fix verbaut ist , ansonsten gibt es auch USB-Lösungen in allen Varianten, vom simplen DVBT-Stick bis zur Settop-Box. Die direkte Kabelverbindung garantiert auch eine gute Empfangsqualität, was man besonders dann zu schätzen weiß, wenn man die Sendungen auch auf Festplatte speichern will (Harddisk-Recording), was mit praktisch jeder TV-Software möglich ist und meistens auch zeitversetztes Fernsehen (Timeshift) erlaubt.


Spiele-PC

Games sind am PC in der Regel hardwarehungrig, da sehr viel gleichzeitig berechnet werden muss – Darstellung der Spielumgebung, Animationen, Kollisionsabfragen und einiges mehr. Die notwendige Rechenpower bedingt daher entsprechende Hochleistungskomponenten, die wiederum zu großer Hitzeentwicklung neigen. Daher sollte schon das Gehäuse ausreichend Platz bieten, dass die Lüfter angebracht werden können und die Abluft keinen Wärmestau verursacht. Das Angebot ist hier sehr groß, vom einfachen Big Tower bis zu Spezialgehäusen im „Gamer-Design“ ist für jeden Geschmack und in jeder Preisklasse etwas zu finden. Im Gehäuse sollte auch ein 600 Watt Netzteil vorhanden sein, mehr ist im Normalfall nicht notwendig, weniger ist jedoch auch nicht ratsam, wenn man auf der sicheren Seite bleiben will.

Zur Kühlung sollten 1 bis 2 Lüfter zum Einsatz kommen, welche die Abwärme aus dem Gehäuse nach außen blasen, bei der CPU empfiehlt sich ebenfalls einen leistungsstarken Kühler aufzusetzen, wobei es hier spezielle Modelle gibt, die auch relativ leise arbeiten. Bei der Kühlkonzeption sollte man sich in jedem Fall beraten lassen, damit ein intakter Kühlkreislauf vorhanden ist und kein Wärmestau entsteht, indem z.B. die Gehäuselüfter falsch positioniert sind und nicht dort, wo die größte Hitzeentwicklung stattfindet. Auch sollten sie die warme Luft mindestens ebenso schnell hinausblasen, wie sie entsteht.

Bei den Komponenten gibt es gerade im Gaming Bereich an sich viel Spielraum, bis hin zur Wasserkühlung etc., bei der man sich übrigens ebenfalls an einen Spezialisten wenden sollte. Einfacher wird das bei Maus und Tastatur, denn hier kann genommen werden, was einem zusagt. Spezielle Tastaturen mit Zusatzanzeigen gibt es, sind aber kein Muss, bei den Gaming-Mäusen richtet sich das Marketing derzeit hauptsächlich nach der Abtastrate.

5000 dpi und mehr klingen hier sehr gut, bringen aber erfahrungsgemäß keinen Mehrwert in der Anwendung. Selbst geübte Spieler sind mit 2800 dpi bestens bedient. Die Form der Maus und die Erreichbarkeit der Tasten sind da wesentlich wichtiger, also wählt man eine, die gut in der Hand liegt und eine rutschfeste Oberfläche hat und bei der die Druckpunkte der Tasten und das Einrasten des Mausrads angenehm zu spüren sind.

Bezüglich Laufwerk kann man hier auf Blu-ray verzichten, da die Games auch in absehbarer Zukunft auf den herkömmlichen DVD-Standard setzen werden und ein zuverlässiger und schneller DVD-Brenner vermutlich im Vordergrund steht.

Allerdings will man vielleicht hin und wieder auch einen Film ansehen, dann sollte man vorsorglich auch in das entsprechende Laufwerk investieren.

CPU:
Um ein störungsfreies Spielvergnügen zu gewährleisten, sind bei den Prozessoren im Moment die Intel Core i7 CPUs zu bevorzugen. Diese Quadcore CPUs unterstützen nämlich Hyperthreading und können so dem Betriebssystem sogar vorgaukeln, acht Kerne zur Verfügung zu stellen. Auch wenn die Spiele selbst die Kerne gar nicht explizit unterstützen, können die Hintergrundprogramme doch gut verteilt werden und stören daher nicht den Spielfluss. Prinzipiell leisten jedoch auch bereits die Dualcore-Modelle der i5-Serie beim Spielen gute Dienste.

Mainboard:
Die wirklich teuren und speziell für Gamer adaptierten Boards eignen sich sehr gut für Tuning und Übertakten, sind aber nur Spezialisten zu empfehlen. Ansonsten ist lediglich zu beachten, dass das Board über einen X58 Chipsatz verfügt, damit die Intel CPUs ihre volle Leistung entfalten können. Ein Vertreter mit gutem Preis/Leistungsverhältnis ist hier beispielsweise das Foxconn Flaming Blade GTI, das genügend Anschlussmöglichkeiten bietet und schnell arbeitet.

Grafikkarte:
Sobald es um Spiele geht, ist wohl nach wie vor Nvidia das Maß aller Dinge. Das liegt daran, dass auch die Hersteller der Games viel auf deren Basis arbeiten und so eine große Kompatibilität gegeben ist, außerdem sind die Karten von Haus aus sehr schnell und verhältnismäßig leise. State oft the art ist zurzeit die GTX570, die alle notwendigen Anschlüsse bietet und auch bereits Blu-ray unterstützt.

Speicher:
4 Gigabyte DDR3 RAM, am besten 2x2 Steine, reichen im Normalfall, wobei hier Geschwindigkeit und Markenqualität den Ausschlag geben sollten, nicht der Preis.

Harddisk:
Bei Spiele-PCs bietet sich besonders ein zwei Platten System an, das grundsätzlich auch für andere Systemkonfigurationen empfohlen werden kann. Hier könnte beispielsweise eine kleine Systemplatte für das Betriebssystem zum Einsatz kommen, während für die Daten (Spiele) die große WD Caviar mit 1 TB Speicher genügend Platz bietet. So kommen einander die Daten für System und Games auch bei der Datenverwaltung des Systems nicht so leicht in die Quere.


Allgemein gilt...

Sound:
Für das virtuelle Tonstudio gibt es selbstverständlich spezielle Soundkarten mit MIDI-Schnittstellen etc., ansonsten sind die Onboard-Chips aktueller Mainboards jedoch qualitativ auf einem so hohen Niveau, dass die Anschaffung einer zusätzlichen Soundkarte nicht notwendig ist. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kann sich ja vergewissern, dass auf dem Mainboard notfalls noch ein entsprechender Steckplatz frei bleibt, was standardmäßig vermutlich ohnehin der Fall sein wird.

Internet:
Ein Internetzugang gehört zu jedem PC. Die Verbindung zum Modem/Router wird dabei entweder per Kabel hergestellt oder über Funk (WLAN). Steht der PC in der Nähe des Modems/Routers empfiehlt sich die kabelgebundene Lösung. Dazu wird die Verbindung über ein RJ45 Kabel (Patchkabel) hergestellt, das üblicherweise beim Modem/Router dabei ist, die passende Buchse ist bei jedem PC standardmäßig dabei. Sollte der PC entfernt vom Modem/Router aufgestellt werden und daher die Verbindung über Funk herstellen, muss entweder eine WLAN-Karte fix verbaut werden oder – was die einfachere und günstigere Lösung ist – ein WLAN USB-Stick angeschlossen werden. Die Konfiguration muss man in beiden Fällen selbst vornehmen, da sie vom Modem/Router abhängig ist. Eine Ausnahme ist hier die Lösung, wie sie beispielsweise von FRITZ!box angeboten wird, wo man den USB-Stick zuerst an der Routerbox ansteckt, woraufhin die Einstellungen automatisch übertragen werden und anschließend auch die Einstellungen am PC von selbst erfolgen.

 
 
 
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