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Nun ist die CeBIT 2010 also vorbei und wir wissen, was uns demnächst in den Regalen an neuer Technologie erwartet. Viele Produkte sind in neuen und verbesserten Versionen vorgestellt worden, aber es gab auch wirkliche Neuerungen zu sehen, wie die neuen Standards USB 3.0 oder SATA-600, dazu die passende Hardware und vor allem die jüngste Generation an Tablet PCs. Doch all dies stand im Schatten des dominanten Themas 3D!
Trotz Wirtschaftskrise und damit verbundenen stark reduzierten Marketingbudgets waren wieder viele namhafte Hersteller auf der diesjährigen CeBIT vertreten, weniger zwar als zuletzt, aber immer noch eine durchaus repräsentative Anzahl über alle wesentlichen IT-Bereiche. Auch die Besucherzahl konnte trotz verkürzter Dauer der Messe in etwa gehalten werden, was ein Indikator für das ungebrochene Interesse an diesem Thema ist. Vor Ort konnten sich die Besucher in den nach Schwerpunkten angeordneten Hallen selbst ein Bild davon machen, wie es schon bald in den eigenen Wohnzimmern oder am Arbeitsplatz aussehen könnte. Die Fachleute hatten das meiste zwar schon auf der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas gesehen, für das breite Publikum bot sich jedoch ein guter Überblick zum aktuellen Stand am Technologie-Sektor, womit die CeBIT hier weiterhin die wichtigste Branchenmesse für Europa bleibt. Und da war ein Bereich klar auf vielen Ständen Thema Nummer Eins, nämlich die 3D-Darstellung. Trotz zusätzlicher spannender Entwicklungen, wie Bewegungssteuerung und Multitouch oder die neuen Tablet PCs, hinterließen die aktuellen Produkte in diesem Bereich den größten Eindruck, und das nicht nur visuell. Der aktuelle Technologiestand
Prinzipiell ist das Thema 3D nicht neu, alle kennen zumindest die einfacheren Lösungen mit den Rot/Grün-Brillen, wo über Farbbereichsfilter dem Auge ein dreidimensionales Bild vorgegaukelt wird. Auch stereoskopische Brillen (Shutter-Gläser) sind keine Neuheit, doch beiden Lösungen fehlte es bisher an akzeptablen Ergebnissen. Obwohl es eigentlich simpel sein sollte. Das menschliche Auge nimmt die Umgebung ja nicht nur spiegelverkehrt wahr, sondern auch die Tiefenwahrnehmung resultiert aus Erfahrungswerten, also Dinge in Relation zu anderen zu sehen bzw. zu wissen, wie groß etwas ist und wie weit entfernt es daher sein muss. Das ist natürlich sehr vereinfacht und die das Auge auch noch nicht zur Gänze erforscht, doch lassen sich mit diesem Wissen bereits seit Jahrhunderten einfache optische Täuschungen produzieren. Maßgeblich wird der Gesamteindruck jedoch aus den zwei Einzelbildern der Augen und deren Winkel zueinander zusammengesetzt, aus dem das Gehirn die Entfernung berechnet. Und genau hier kommt auch die 3D Technologie zum Einsatz. Ein echtes 3D-Erlebnis vorzugaukeln, schafften bisher aber nur technisch sehr aufwändige Szenarien, die auch nicht wirklich serienreif waren, billigere Versionen hatten schlechte Effekte und waren auch nur von einer fixen Position aus wahrnehmbar. Das wird jetzt anders. Die Shuttertechnik
Zur Verwirklichung einer scheinbaren 3D-Darstellung kommen zur Zeit noch unterschiedliche Techniken zum Einsatz, im Vordergrund steht dabei jedoch die 120 Hz Technologie, vor allem in Verbindung mit dem 3D Konzept von Nvidia. Der Hersteller hat jetzt nämlich eine Shutterbrille im Programm, die bei 120 Hz flimmerfreie stereoskopische Bilder liefert. Dabei wird die Brille mit dem Bildschirm synchronisiert und jeweils ein Glas abgedunkelt bzw. das andere aktiviert (mit Strom versorgt). Damit ist die Bildinformation für jedes Auge abwechselnd mit 60 fps (frames per second) wahrnehmbar, wodurch die Einzelinformationen nicht mehr unterschieden werden können und ein dreidimensionales Gesamtbild entsteht. Dieses Konzept benötigt allerdings echte 120 Hz, also muss diese Frequenz tatsächlich am Schirm auf jeder Bildzeile erreicht werden und nicht, wie bisher üblich, je 60 fps pro Zeile. Dazu bietet Nvidia natürlich spezielle Grafikkarten für PCs an, aber auch einige Projektor-, Monitor- und TV-Gerätehersteller unterstützen diese Technologie bereits. Im Gegensatz zu passiven Brillen (Rot/Grün (Blau) etc.) bieten die neuen Shutterbrillen auch einen erweiterten Betrachtungswinkel, damit man nicht starr in einer bestimmten Position vor dem Gerät sitzen muss, um den gewünschten Effekt zu erhalten. Und die hohe Bildrate verhindert auch das Überreizen der Augen und somit die früher häufig auftretenden Kopfschmerzen. Die Polarisationstechnik
Einige Hersteller setzen jedoch auf ein anderes Verfahren, nämlich die Polarisationstechnik. Dabei wird das Licht durch zwei Filter aufgesplittet und durch entsprechende Spezialbrillen wieder derart zusammengefügt, dass auch hier ein dreidimensionaler Eindruck entsteht. Diese Lösung wird derzeit auch bei den 3D Kinofilmen eingesetzt (z.B. Avatar), auf der CeBIT stellte Acer mit dem neuen Aspire aber bereits auch ein Notebook (unter ¤ 1.000,-) vor, das diese Technologie unterstützt. Beide Verfahren besitzen also bereits Marktreife, welches Konzept sich jedoch mittelfristig durchsetzen wird, hängt von der Preisentwicklung ab. Da die Produktionskosten für die Polarisationsbrillen, die nur eine spezielle Beschichtung benötigen, niedriger sind, hat diese Technologie prinzipiell einen Vorteil. Das starke Engagement von Nvidia und den Partnern seitens der Hersteller könnte aber auch die Shutterbrillen in der Massenproduktion so günstig werden lassen, dass dieses Manko aufgehoben wird. Vorerst werden wohl beide Systeme parallel existieren, allerdings kommt bereits jetzt ein weiterer Aspekt zum Tragen, nämlich auf welche Technologie die Hersteller von Projektoren, TV-Geräten und DVD-Playern setzen. Und hier zeichnet sich doch ein Trend zu den Shutterbrillen ab. Obwohl die Polarisation den Vorteil der billigeren Herstellung und leichteren Standardisierung bringt – wenn auch mit dem Nachteil, dass zwei Bildquellen (Projektoren etc.) benötigt werden - setzen die Hersteller auf das aufwändigere Shutter-Verfahren, das wohl auch qualitativ die besseren Ergebnisse liefert. Allerdings wird hier vorerst kein einheitlicher Standard zu erwarten sein, vielmehr ist absehbar, dass wie gewohnt jeder Hersteller seine eigenen Produkte auf den Markt bringen und versuchen wird, Drittanbieter auszuschließen. So hat beispielsweise Sony bereits eigene Brillenmodelle angekündigt, die wohl in erster Linie auf der eigenen Bravia-Serie im Zusammenspiel mit den Sony Blu-ray DVD-Playern funktionieren werden, und auch Philips und Samsung warten mit ähnlichen Konzepten auf. Sony spielt hier sicher eine entscheidende Rolle, da die eigenen Filmstudios (Tristar/Columbia etc.) schließlich für den hauseigenen DVD-Nachschub sorgen, der mit den aktuellen 3D-Produktionen auch im Wohnzimmer jenes dreidimensionale Erlebnis bringen soll, das man bis jetzt nur aus den Kinos kennt. Allerdings können auch 2D Inhalte auf 3D umgerechnet werden, was von allen anderen wichtigen Herstellern ebenfalls unterstützt wird. 3D ohne Brille
Jüngste Entwicklungen, die ebenfalls auf der CeBIT gezeigt wurden, ermöglichen sogar ein 3D Erlebnis ohne Brille. So präsentierte „FrontSee“ ein Verfahren, das mittels Eye Tracking registriert, wohin der Betrachter gerade schaut, und entsprechend die stereoskopischen Bilder am Display erzeugt. Dadurch wird vermieden, dass bei Bewegungen unerwünschte Doppelbilder entstehen bzw. diese gesehen werden. Es gab aber auch andere Verfahren zu sehen, wie beispielsweise eine spezielle Glasscheibe vor dem Display, die ebenfalls 3D Eindrücke vermittelt, oder ein Display mit einem leistungsstarken Rechner im Hintergrund, der für jedes Bild mehrfache Einstellungen berechnet, womit ebenso viele Betrachtungswinkel möglich sind, also man praktisch positionsunabhängig dreidimensionale Bildinhalte geliefert bekommt. Allerdings reduziert sich hier der 3D-Effekt immer auf eine stark begrenzte Anzahl an Sichtwinkeln, also Positionen im Raum, und da der technische Aufwand hier zudem relativ groß und damit teuer ist, soll diese Entwicklung in erster Linie im Business-Bereich zum Einsatz kommen, wie beispielsweise der Medizin oder Architektur. Bis zum Massenmarkt wird diese Technologie w0hl noch einige Jahre brauchen. Aus 2D mach 3D
Neben den neuen Film- und Spiele-Titeln, die bereits für 3D produziert werden, kann aber auch „altes“ 2D Material in die dritte Dimension gehoben werden. So unterstützt Nvidia mit den neuen Grafikkarten bereits eine Reihe älterer Computerspiele, die in Echtzeit auf 3D umgerechnet werden und so ein völlig neues Spielerlebnis liefern, und – wie bereits erwähnt – unterstützen auch die neuen Fernsehgeräte durch spezielle Chips teilweise diese Technologie. Rein über Software-Algorithmen geht es aber auch, das zeigte auch Cyberlink mit der neuen Version von PowerDVD. Einerseits können damit auf allen 3D-fähigen Displays entsprechende Inhalte wiedergegeben werden, vor allem können bis zu einem gewissen Grad aber sogar ältere Aufnahmen in Echtzeit mit 3D Effekten belegt werden. Die Bildinformationen werden dabei über die sogenannte „TrueTheater“-Funktion über ein spezielles Verfahren gefiltert und anschließend die dreidimensionale Darstellung berechnet, wobei man mittels Schieberegler selbst die optimale Tiefenwirkung justieren kann. Und es gab auf der CeBIT sogar ein Forschungsprojekt zu sehen, mit dem über ein Browser-Plugin 3D-Inhalte über das Internet transportiert werden können, allerdings wird auch hier noch einiges an Entwicklungszeit einfließen müssen, bis der Anwender diese Features nutzen kann. 3D Kameras
Was die Filmproduktion betrifft, ist die 3D-Produktion ja bereits voll im Gange und im Laufe des Jahres werden nicht nur neue Stereoskop-Filme in die Kinos kommen, sondern auch die ersten entsprechenden DVDs in den Regalen stehen. Das Fernsehen hinkt hier wie üblich etwas nach, aber auch dort ist 3D selbstverständlich ein Thema mit hoher Priorität. Hersteller wie Sony oder Panasonic haben daher auch dafür geeignete Aufnahmesysteme auf der CeBIT vorgestellt, die jedoch preislich für den Endkonsumenten noch unerschwinglich sind. Allerdings gibt es auch in diesem Bereich erste Exemplare, die Anwendern erlauben, eigenen dreidimensionalen Bildcontent zu erstellen. So zeigte beispielsweise Aiptek die „I2“, eine 3D Digitalkamera mit zwei Objektiven, die gleichzeitig zwei Aufnahmen möglich macht. Dargestellt werden können die Aufnahmen dann auf einem speziellen digitalen Bilderrahmen von Aiptek, inwieweit auch Spezialbrillen unterstützt werden, ist nicht bekannt. Sowohl Kamera als auch Rahmen sollen im Laufe des Jahres für je rund ¤ 200,- zu haben sein. Auch Fujitsu war mit einer vergleichbaren Kamera vertreten, nämlich der Finepix Real 3D W1. Zwei Sensoren mit je 10 Megapixel werden hier über zwei Objektive mit den Bildinformationen beliefert, die über eigene Prozessoren zu einem dreidimensionalen Gesamtbild zusammengefügt werden. Das Ergebnis kann sowohl am eigenen Display als auch mittels Shutterbrille am Monitor betrachtet werden, einen passenden digitalen Bilderrahmen hat Fujitsu jedoch auch im Angebot. Die Kamera kostet rund ¤ 500,- und erlaubt mit den beiden Objektiven auch andere Aufnahmemodi, wie beispielsweise eine gleichzeitige Tele- und Weitwinkel-Aufnahme oder spezielle Panorama-Aufnahmen. Der passende Bilderrahmen kostet ca. ¤ 350,-. 3D Zubehör
Nicht ganz neu, aber trotzdem auf der CeBIT vertreten war Carl Zeiss mit der Cinemizer Plus, einer Stereoskop-Brille, die vor allem für den Einsatz mit mobilen Geräten wie dem iPhone gedacht ist und hier Bilderlebnisse in der Größe eines 115 cm Displays liefert. Aber mit ihr können auch 3D-Inhalte angesehen werden, sogar selbst erstellte wie mit der Fuji W1. Wirklich neu ist hingegen der Preis, der auf rund ¤ 300,- gesenkt wurde. Ansonsten wurden in erster Linie Displays gezeigt, bei denen alle namhaften Hersteller in Zukunft 3D unterstützen werden, aber auch Komplettlösungen für das Wohnzimmer, wie sie ebenfalls in Kürze angeboten werden. Neben Philips hat z.B. auch Samsung (die jedoch nicht auf der CeBIT vertreten waren) ein solches Konzept und selbstverständlich werden wir auch von Sony entsprechend versorgt werden. Und nicht zuletzt geht auch bei den Projektoren alles in diese Richtung, sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Bereich, doch für Endkunden ist die 3D Projektion einstweilen wohl in der Anschaffung noch etwas zu teuer. 3D abseits der Grafik
Und weil 3D auf der diesjährigen CeBIT in aller Munde und vor allem Augen war, gab es unter diesem Motto auch andere Neuheiten zu bestaunen, die sich nicht nur auf das visuelle Erlebnis beschränkt haben. So wurden auch 3D-Scanner und -Drucker vorgestellt, die jedoch nicht nur wegen des Preises nach wie vor Industriezwecken vorbehalten bleiben, wirklich zukunftsweisend waren aber hingegen wieder einmal die Projekte des Fraunhofer Instituts, das unter anderem einen Monitor präsentierte, der ebenfalls mittels „Eye Tracking“ die Augenbewegungen verfolgte und so das 3D Bild für den Betrachter berechnete, aber zusätzlich wurde auch noch eine Bewegungserkennung eingebaut, die einfache Gesten registrieren kann, die dann ebenfalls in der Bilddarstellung Einfluss nehmen können. Noch interessanter war hier jedoch die Präsentation von „iPoint Control“. Über zwei Kameras, die oberhalb des Kopfes montiert sind, werden auch hier Bewegungen erfasst und ausgewertet, was entsprechende Funktionen auslöst, die auf einem großen Display angezeigt werden. So konnte beispielsweise in einem digitalen Kochbuch geblättert oder die Musikanlage bedient werden, ohne einen Gegenstand mit den unsauberen (z.B. vom Kochen fettigen) Fingern berühren zu müssen. Der seriöse Hintergrund ist dabei aber sicher in erster Linie der Einsatz an Orten, wo diese Art der Bedienung aus hygienischen Gründen vorteilhaft ist, wie in Spitälern oder öffentlichen Plätzen, wo Dinge von vielen Menschen tagtäglich berührt werden müssen. Leider war Microsoft Xbox mit „Project Natal“ nicht vor Ort, das ja ebenfalls die Steuerung bei Spielen mittels Gestik ermöglichen soll. FAZIT:
Auch wenn für den Konsumenten vieles noch Zukunftsmusik ist, zeigte die CeBIT 2010 gerade im beherrschenden 3D Bereich bereits viele Produkte, die schon marktreif und auch durchaus leistbar sind. Spätestens zu Weihnachten, wenn auch bereits einige 3D Video-DVDs und Spiele im Handel sind, wird es also wohl für uns an der Zeit sein, nachzurüsten und in die digitale dritte Dimension einzutauchen. |